Englischer Humor an der Cottbuser Bande
30.05.2010 - Die Snooker-Classic Tour zu Gast in der Stadthalle in Cottbus
Cottbus. Wenn Snooker-Kenner gegenüber Fußball-Fans in Erklärungsnot geraten, was denn die Faszination ihres Sports ausmacht, dürfte folgender Satz aus einem Online-Forum genügen: „22 Spieler und ein Ball ist einfach. Ein Spieler und 22 Bälle, das ist Können.«
31.05.2010

Eben dieses Können zeigten die Altstars der Snooker-Szene, die englischen Spieler Steve Davis und Jimmy White mit ihrem schottischen Kollegen Stephen Hendry am Sonntag in der Cottbuser Stadthalle. Zum Warmwerden standen im Show-Teil zwei Runden Speed-Snooker auf dem Programm: zunächst war die Jagd auf die roten Bälle eröffnet, dann auf die Farben auf den falschen Spots. Für beide Aufgaben, gestellt vom deutschen Schiedsrichter Bernie Mickeleit, der nach Absage von Eurosport-Kommentator Rolf Kalb das Turnier moderierte, holte sich Steve Davis die Punkte.
Da Snooker außerhalb der britischen Inseln und des Commonwealth nach wie vor zum Randsport zählt, sind Veranstaltungen wie die »Golden Boy Tour 2010« in erster Linie vergnügliche Angelegenheiten, die Lust am Spiel machen sollen. Herrschen bei den Punkte-Turnieren meist hochkonzentrierte Mienen bei den Herren in Weste und Fliege, kam beim Cottbuser Snooker Classic-Turnier neben präzisen Shots auch eine gute Portion britischen Humors auf den Tisch.
So gab der 52-jährige Steve Davis während seiner Trickshot-Einlage einen launigen Rundumschlag auf Kollegen zum besten - vom Wettskandal um John Higgins (»Dann fuhr er nach Kiew und da fing der Ärger an...«) bis zum notorisch nuschelnden Reporterschreck Ronnie O'Sullivan.
Beim Simultan-Snooker forderten Davis und White »Golden Boy« Hendry an zwei Tischen gleichzeitig heraus, bevor dieser sich mit dem Gewinner der Zuschauer-Wildcard im zweiten Speed-Match die Ehre gab. Nach der Pause traten die Spieler zum eigentlichen »Sport Snooker« an. »Die Stimmung war sogar noch besser als beim ersten Turnier der Tour in Erfurt«, urteilte Veranstalter Tibor Folmer über das Publikum in der fast ausverkauften Stadthalle, das bereits das Einlaufen der Spieler und der schottischen Maintour-Schiedsrichterin Michaela Tabb mit stehenden Ovationen feierte.
Auch Stephen Hendry zollte den Fans, von denen so mancher in »I love Snooker«-Shirts erschienen war, ein Lob: »Das deutsche Publikum ist sehr aufmerksam und weiß genau, was da unten an den Tischen vor sich geht. Und die Fans benehmen sich auch viel besser, als es manchmal in England der Fall ist.«
Randnotizen Snooker Classics in Cottbus: Regional trifft International
Begeistert: "Ein absoluter Traum" war das Turnier für Kathrin Dalberg. Die 57-jährige Cottbuserin sah sich das Snooker Classic-Turnier gemeinsam mit Gudrun Zech (51) an. „Ich habe vor Jahren zufällig das erste Mal Snooker im Fernsehen entdeckt, seitdem bin ich ein Fan“, erzählte Kathrin Dalberg. Zwar war Lieblingsspieler Shaun Murphy in Cottbus nicht am Tisch, dafür aber sein englischer Landsmann Steve Davis. Familiär vorbelastet im Spiel mit Queue und Banden verfolgte Gudrun Zech das Spiel der Altstars – Vater Hans Zech ist manchem Cottbuser Billardfreund sicher noch als früherer Bezirksmeister im Kegelbillard in Erinnerung. Nach der Gala von „Golden Boy“ Stephen Hendry, Jimmy White und Steve Davis steht bei Kathrin Dalberg der nächste Traum bereits fest: „Die Snooker WM in Sheffield, da wäre ich gern mal dabei.“
Weit gereist: Extra aus Bremen waren Mark Friedrich (40) und Iris Feldmann in die Lausitz gekommen. „So ein Turnier gibt es bei uns in der Nähe gar nicht“, erzählte die 39-Jährige mit dem „I love Snooker“-Shirt. „Toll wäre es noch, wenn beim nächsten Mal Ronnie O’Sullivan mit dabei ist.“
Schotten-Treffen: Die Bandmitglieder der Dresden Pipes & Drums hatten beim Snooker-Turnier in Cottbus ebenso wie am Austragungsort Halle die Gelegenheit, ihre Kunst vor Kennern vorzuführen. Mit Schiedsrichterin Michaela Tabb und Stephen Hendry lauschten gleich zwei Schotten den Klängen von Dudelsack und Trommel, stilecht präsentiert im Tartan-Kilt.
Pflegeleicht: Von Starallüren sei bei den Snooker-Größen nichts zu merken, erzählt Michaela Geist, zuständig für das Event- und Onlinemarketing beim Veranstalter Plakatpromotion/Danubius Beat Agency aus Halle. Einige Vorlieben gebe es aber trotzdem: „Michaela Tabb trinkt zum Beispiel gern Rosé-Wein und für Steve Davis darf es ein deutsches Bock-Bier sein.“
Starke Lobby: Für den englischen Snooker-Coach Chris Henry, der dem Cottbuser Publikum am Tisch gemeinsam mit Stephen Hendry die Technik des Sports näher brachte, hat der deutsche Snooker-Sport Potenzial. „Bereits heute hat Snooker in Deutschland die zweitgrößte Fangemeinde hinter China. Jetzt müssen wir hier nur noch die jungen Talente fördern.“
Prophet des Abends - Steve Davis: „Da Deutschland den Eurovision Song Contest gewonnen hat, ist es nur fair, dass England dafür die Fußball-WM gewinnen wird.“
Snooker vs. Pool: Für Stephen Hendry lassen sich die beiden Sportarten am besten mit dem himmelweiten Unterschied zwischen Schach und Dame unterscheiden. „Snooker, das ist Taktik und Finesse. Etwas besseres gibt es gar nicht.“
Volle Punktzahl an die Region: Als Schiedsrichterassistentin, das heißt Scorer, sorgte die Hoyerswerdaerin Yvonne Görigk dafür, dass die Punktetafeln auf dem aktuellen Stand waren. Die 22-Jährige, die in Cottbus Architektur studiert, hatte zudem noch beste Sicht auf Lieblingsspieler Stephen Hendry. Auch das obligatorische Bügeln des Tuchs in der Pause war für Yvonne Görigk längst Routine. „Beim Turnier in Halle und dem Paul Hunter Classic in Fürth war ich auch schon als Scorer dabei.“
Stefanie Hanus


